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Frage: Wie erreiche ich mein Ziel?

Antwort: sei der Pfeil!

BOGENSCHIESSEN
Die meditative Version des Sports fördert Konzentration und innere Ruhe

Von Katharina Bruch

WIESBADEN – Tief durchatmen, den Bogen anheben, auf das Ziel konzentrieren, die Sehne spannen – loslassen: Der Pfeil schnellt Richtung Scheibe und bleibt zu meiner Verwunderung stecken. Ich habe getroffen!

Wenn ich eines an diesem Nachmittag gelernt habe, dann, dass beim Bogenschießen alles auf die Haltung ankommt. Wenn man richtig steht, trifft der Pfeil wie von selbst. Gernot Franz, Gründer der Bogenschule Rhein-Main in Wiesbaden, zeigt mir, wie es geht. Zunächst bekomme ich aber erst einmal die richtige Ausrüstung: den von der Bogenschule Rhein-Main gemeinsam mit Orthopäden entwickelten Langbogen „Harmonie“ und einen roten Obi (japanischer Gürtel), der sozusagen als Köcher dient.

Dann heißt es Haltung annehmen: Füße parallel stellen, in die Knie gehen, Bauch einziehen und den Oberkörper um zirka 30 Grad nach vorne neigen. Die Zielscheibe anvisieren, den Bogen schräg halten, die Schultern unten lassen und die Sehne mit drei Fingern bis zum Mundwinkel ziehen. Der Schuss selbst ist dann fast nur noch Nebensache.

Ums Treffen geht es auch eigentlich gar nicht beim meditativen Bogenschießen, das ich auf dem Trainingsplatz der Bogenschule ausprobiere. Im Vordergrund steht vielmehr der Ausgleich zu dem meist stressigen Arbeitsalltag. Angelehnt an den japanischen Zen-Buddhismus, soll das meditative Bogenschießen die innere Ruhe fördern und den Weg zur Gelassenheit ebnen. Ähnlich wie beim Yoga spielen dabei Konzentration und Atmung eine wichtige Rolle.

Richtige Haltung

Aber nicht nur die geistige Gesundheit wird bei der Sportart unterstützt, sondern auch die körperliche. „Beim Bogenschießen werden 60 Muskelgruppen angesprochen“, betont Franz. So stärkt die aufrechte Körperhaltung die Schulter- und Rückenmuskulatur und wirkt damit vorbeugend gegen Rücken- und Wirbelsäulenprobleme. Bogenschießen ist somit auch ideal für Menschen, die tagsüber nur am PC sitzen und etwas für ihren Rücken tun wollen.

Neue Lernprozesse

Bei der anfänglichen Position zum Schießen bleibt es bei meinem Schnuppertraining nicht. Als Rechtshänderin soll ich die Sehne nun auch mal mit links greifen und den Bogen von der linken in die rechte Hand nehmen. „Das sind völlig neue Lernprozesse für das Hirn“, erläutert Bogenschieß-Trainerin Susanna Bader. Zudem werde mit dem Seitenwechsel auch einer einseitigen Belastung der Schultern vorgebeugt. Um Körper und Geist noch mehr zu trainieren, stelle ich mich gemeinsam mit Susanna Bader mit dem Rücken zur Zielscheibe. Nun heißt es, den Oberkörper um 180 Grad drehen. Gar nicht so einfach. Während die Trainerin es schafft, dabei sogar elegant auszusehen und mitten ins Ziel zu treffen, landen meine Pfeile jetzt häufiger jenseits der Scheibe.

Auf die 180-Grad-Drehung folgt eine Haltung, die ich zumindest schon aus dem Yoga kenne: der Baum. Auf einem Bein zu balancieren und dabei gleichzeitig den Bogen richtig zu halten, stellt sich jedoch als ziemlich schwierig heraus. Mein Standbein wackelt, und die Pfeile landen irgendwo, nur nicht auf der Zielscheibe. „Es gibt keine Kritik, weil es nichts zu kritisieren gibt“, betont Franz neben mir. Solange ich mich auf eine ruhige Atmung und Bewegung konzentriere, mache ich schon alles richtig. Und während ich einen Pfeil nach dem nächsten ziehe, kann ich mir bereits gut vorstellen, wie meditativ ein solches längeres, vollkommen ruhiges Schießen wirken kann, wenn man nur noch sich selbst und den Bogen wahrnimmt.

Ganz vergessen sollte man sein Umfeld jedoch auch nicht. Gerade beim meditativen Schießen in Gruppen ist es auch wichtig, auf seine Mitmenschen zu achten, wie mir Susanna Bader erzählt. So nimmt man etwa Rücksicht, wenn einer seine Pfeile von der Scheibe holen möchte. Erst wenn jeder seinen Bogen auf die Wiese gelegt hat, darf man nämlich nach vorne an die Scheiben treten.

Mit dem Rücken zum Ziel

Trainerin Susanna Bader schätzt an dem Sport besonders die Persönlichkeitsentwicklung, die man durchläuft: „Wenn der Pfeil daneben geht, kann ich wirklich niemand anderen verantwortlich machen. Das hat nur etwas mit mir zu tun. Es ist eine Sache zwischen mir und der Scheibe.“

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